Karfreitagsratschn
Teenager erschaffen seltene Musikinstrumente: "Extrem lautstärke wie Hammerschläge" anstelle von Kirchenglocken
Es handelt sich um eine alte kirchliche Tradition: Die Ministranten errichten am Karfreitag Ratschen für die Pfarrei von Lenggries. Ein Holzmodell aus Iffeldorf diente dabei als Vorlage.
Sie sind bis heute erhalten geblieben und finden im Isarwinkel statt: teilweise jahrhundertalte Traditionen zum Osterfest – dem bedeutendsten Fest der Christenheit. Eine davon dreht sich um den Austausch der Glocken an Karfreitag und Karsamstag. Nachdem während des Glorias beim Gedenkfeier des grünen Donnerstags die Kirchenglocken verstummen, um ihreTrauer zu zeigen, und erstmals zur Ostersylvester wiederklingen, ist dies auch die Zeit für die sogenannten „Karfreitagsratschn“.
Die holzgefertigten Geräte werden verwendet, um die Gläubigen über die Zeiten für den Gebet oder den kirchlichen Gottesdienst zu informieren. Wie Pfarrer Josef Rauffer erklärt, ist diese Tradition zwar in vielen Kirchengemeinden insbesondere in der Alpengegend noch lebendig, doch in Lenggries hatte man dies seit längerem nicht mehr praktiziert. Der örtliche Geistliche hat dieses Manko jedoch zusammen mit einer Band junger Leute, denen Handwerkskenntnisse eigen sind, behoben. Diese junge Truppe hat sich anhand eines althistorischen Exempels Freitagkarren nachgestaltet. In diesem Jahr sollen diese erstmalig während der Osterzeit am Dorfplatz des Braunecks zum Einsatz kommen.
Vor allem in der Alpengegend ist es besonders bekannt
"Ich kannte das aus meiner Zeit als Kaplan in Berchtesgaden. Dort hatte dies bei den Acolyten eine große Tradition." Aus diesem Grund kam Rauffer auf die Idee, eine junge Gruppe innerhalb der Gemeinde zu formieren. "Dieses Jahr gelang es, dass die sechs Acolyten – Theresa März, Miriam Wasensteiner, Helene Wasensteiner, Kajetan Stehr, Kilian Wasensteiner und Thomas März – zusammentraten und basierend auf einem Vorbild aus Iffeldorf die Glöckchen selbstständig herstellten", erklärt er weiter. Dabei entwarf Georg Wasensteiner vorab einen Plan und stellte das notwendige Holz bereit. Auch Johannes Janßen, der Kirchgänger und Schreiner, half aktiv mit.
Der Brauch stammt aus einer Epoche, als Menschen noch keine eigenen Uhrwerke besaßen. "Die Stille der Glocken dient als trauriges Zeichen für Verrat und die Kreuzigung Jesu", fährt Rauffer fort. Dennoch sollen die Gläubigen an das Beten und die Gottesdienste erinnert werden. Damals wurden dazu die sogenannten Ratschn verwendet. Als er nach Lenggries kam, war er überrascht festzustellen, dass dort keine Ratschn vorhanden waren. "Trotzdem lebt man im Isarwinkel eine Menge von Bräuchen und Traditionsgepflogenheiten. Dass es hier aber fehlten, habe ich beinahe bedauert."
Die Aktivierung der Ratsche erfordert Anstrengung.
Die Geräte produzieren lautstarke Schlaglaute. „Die Helfer tauchen nacheinander auf, um am Hebel zu drehen, da es viel Kraft erfordert, die Säge einige Minuten lang in Betrieb zu halten; für kleinere Kinder eignet dies sich daher weniger gut“, erklärt der Geistliche. Seiner Erfahrung nach aus seinen Tagen in Berchtesgaden sei jedoch festzuhalten, dass das Drehen des Hebels bei Jüngeren äußerst beliebt ist.
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Es besteht eine enge Verbindung zum Instrument, besonders wenn man ihn selbst hergestellt hat. In den Gottesdiensten ersetzten die Ratschen das Glockenzeichen, beispielsweise während der Wandlung. Deshalb befinden sich zwei Ratschenschellen in der Pfarrkirche sowie einer auf dem Lenggrieser Kalvarienberg. Dort können diese an Karfreitag und Karsamstag frühmorgens, mittags und abends in Lenggries gehört werden. Rauffer kommentiert dazu: „Tolle Arbeit, die hier geleistet worden ist.“